16. Oktober 2026

Über Möchtegern-Doms und meine ersten Learnings

Wenn du Teil 1 meiner BDSM-Reise als Anfängerin noch nicht gelesen hast und wissen möchtest, warum ich zwar schon früh über Sex nachgedacht habe, aber erst mit 20 mein erstes Mal hatte, dann lies hier nochmal rein.

Bis ich 22 war, hat Erregung fast nur in meinem Kopf stattgefunden. Na klar, ich hatte Sex und der war ok – aber so richtige Erregungsstürme hatte ich bis dahin noch nicht gefühlt. Du weißt schon… Wenn dein Mund trocken wird, dein Blut gefühlt anfängt zu kochen und dein ganzer Körper kribbelt. Das hat sich schlagartig geändert, als ich die Pille abgesetzt habe und zu einer neuen Person geworden.

Plötzlich ging meine Libido durch die Decke und ich konnte an kaum etwas anderes denken als an Sex. Es war, als hätte ich eine neue Version von mir freigeschaltet. Innerhalb von wenigen Wochen hat sich mein Körper anders angefühlt und meine unterschwellige Lust ist zu einem Verlangen geworden, sodass ich kaum wusste, wohin mit mir.

In dieser Zeit habe ich mich auch von meinem Partner getrennt. Ich bin innerhalb von wenigen Wochen aus meiner Beziehung rausgewachsen.

Das Absetzen der Pille, mein neues Gefühl für mich selbst und die Trennung waren wie ein Brandbeschleuniger. Mit einem Mal konnte ich der Neugierde nachgehen, die all die Jahre in mir gewachsen war: Neugier auf Erregung, Neugier auf zwischenmenschliche Spannung und vor allem Neugier auf Machtgefälle.

Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, gebe ich mich so lange nicht zufrieden, bis ich es erreicht habe; also habe ich sehr schnell nach Menschen gesucht, mit denen ich meine „Lese-Gefühle“ in echt erleben konnte.

Mein erster Anhaltspunkt war BDSM. Ich habe gegoogelt, was das Zeug hielt und mir die Finger wund getippt. (Wenn du auch noch ganz am Anfang stehst, empfehle ich dir übrigens, das auch zu tun.)

Meinen ersten Kontakt habe ich über die App „Jodel*“ gefunden, falls dir das noch was sagt. Die App war wie ein schwarzes Brett für die nähere Umgebung und dort habe ich ganz blauäugig gefragt, wer sich mit BDSM auskennt. Vielleicht kannst du dir denken, dass das nicht der beste Kanal war, damals kannte ich aber noch keinen anderen Weg.  

Gemeldet hat sich ein Typ, der mit einem Foto von seinem Toy-Arsenal auf meinen Post geantwortet hat. Was soll ich sagen… Heute würde ich die Augen verdrehen, aber damals bin ich darauf angesprungen wie ein Hund, dem man den bestens Knochen seines Lebens vor die Nase hält.

Kurz gesagt: Wir haben uns über einen längeren Zeitraum getroffen, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass er sich zwar als „Dom“ bezeichnet, damit aber nur versucht hat, seine eigene Unsicherheit zu kompensieren – also genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich wollte.

In dieser Zeit habe ich mich auch von meinem Partner getrennt. Ich bin innerhalb von wenigen Wochen aus meiner Beziehung rausgewachsen.

Das Absetzen der Pille, mein neues Gefühl für mich selbst und die Trennung waren wie ein Brandbeschleuniger. Mit einem Mal konnte ich der Neugierde nachgehen, die all die Jahre in mir gewachsen war: Neugier auf Erregung, Neugier auf zwischenmenschliche Spannung und vor allem Neugier auf Machtgefälle.

Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, gebe ich mich so lange nicht zufrieden, bis ich es erreicht habe; also habe ich sehr schnell nach Menschen gesucht, mit denen ich meine „Lese-Gefühle“ in echt erleben konnte.

Mein erster Anhaltspunkt war BDSM. Ich habe gegoogelt, was das Zeug hielt und mir die Finger wund getippt. (Wenn du auch noch ganz am Anfang stehst, empfehle ich dir übrigens, das auch zu tun.)

Meinen ersten Kontakt habe ich über die App „Jodel*“ gefunden, falls dir das noch was sagt. Die App war wie ein schwarzes Brett für die nähere Umgebung und dort habe ich ganz blauäugig gefragt, wer sich mit BDSM auskennt. Vielleicht kannst du dir denken, dass das nicht der beste Kanal war, damals kannte ich aber noch keinen anderen Weg.

Gemeldet hat sich ein Typ, der mit einem Foto von seinem Toy-Arsenal auf meinen Post geantwortet hat. Was soll ich sagen… 

Heute würde ich die Augen verdrehen, aber damals bin ich darauf angesprungen wie ein Hund, dem man den bestens Knochen seines Lebens vor die Nase hält.

Kurz gesagt: Wir haben uns über einen längeren Zeitraum getroffen, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass er sich zwar als „Dom“ bezeichnet, damit aber nur versucht hat, seine eigene Unsicherheit zu kompensieren – also genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich wollte.

Das war eins meiner ersten Learnings: Wenn ein Mann sagt, er sei ein „Dom“, lass es ihn beweisen. Check seine Energie ab, lern ihn kennen, bevor du dich mit ihm einlässt. Finde heraus, ob du dich mit ihm sicher fühlst und ob er deine Grenzen über sein eigenes Verlangen stellen kann. Unterwerfung und Hingabe sind Reaktionen und nichts, was jemand einfach so von dir erwarten kann.

Foto von Artem Labunsky auf Unsplash

Der Vorteil: Über ihn habe ich von der Plattform „Joyclub*“ erfahren, auf der ich mich dann natürlich auch direkt angemeldet habe. Mit dem Joyclub* hat sich für mich ein weiteres Mal eine neue Welt eröffnet: Plötzlich hatte ich Zugriff auf Profile von Personen, die Macht und BDSM ausgestrahlt haben und die genau da waren, wo ich hinwollte.

Ich habe mich durch Profile, Gruppen und Foren geklickt und mit so vielen „Doms“ geschrieben, dass ich aufgehört habe, zu zählen. Viele haben sich als Idioten entpuppt (sorry not sorry), aber mit manchen habe ich mich getroffen und erste Erfahrungen darin gesammelt, wie BDSM nicht sein sollte.

Mein 2. Learning: BDSM wird von Männern oft als Deckmantel benutzt, um übergriffiges und egoistisches Verhalten zu rechtfertigen á la „Du willst nicht machen, was ich sage und stehst nicht darauf, geschlagen zu werden? Vielleicht ist BDSM einfach nichts für dich und du bist gar nicht devot.“

Hätte ich jedes Mal, wenn ich diesen Satz gehört habe, einen Euro in ein Sparschwein geworfen, könnte ich mir heute davon ein eigenes Spielzimmer einrichten. Was du daraus lernen kannst? Lass dir von niemandem, so erfahren er oder sie auch wirken mag, einreden, dass BDSM nicht das richtige für dich ist.

Hätte ich jedes Mal, wenn ich diesen Satz gehört habe, einen Euro in ein Sparschwein geworfen, könnte ich mir heute davon ein eigenes Spielzimmer einrichten. Was du daraus lernen kannst? Lass dir von niemandem, so erfahren er oder sie auch wirken mag, einreden, dass BDSM nicht das richtige für dich ist.

BDSM ist bunt: Es besteht nicht nur aus Latex und Schlagen. So unterschiedlich wie die Menschen sind, die BDSM ausleben, so unterschiedlich ist auch die Kombination der Vorlieben und Praktiken, die ausgeübt werden. Du kannst dir also deinen ganz eigenen BDSM-Blumenstrauß zusammenstellen.

Foto von Jason Leung auf Unsplash

Obwohl ich endlich mit Menschen Kontakt hatte, die sich mit BDSM beschäftigen, hat mir immer noch etwas gefehlt. Die Männer haben zwar gesagt, sie seien dominant und sie waren gut darin, Befehle zu geben oder Praktiken aus Pornos nachzumachen, wirklich souverän, ausgeglichen und verantwortungsbewusst waren sie aber nicht – v.a. aktiver Konsens (nur „Ja“ heißt „Ja“) und Aftercare waren für keinen ein Thema.

Ich habe jemanden mit reguliertem Nervensystem gesucht, der aushalten konnte, dass ich eine eigene Meinung habe. Im Sommer 2018 habe ich online jemanden kennengelernt. Wir haben länger geschrieben, er wirkte nett (im besten Sinn) und wir waren dabei, ein Treffen zu vereinbaren, als mich auf der Plattform „Gentledom*“ eine Nachricht erreicht hat, bei der ich buchstäblich weiche Knie bekommen habe:

Er war 46, also zu dem Zeitpunkt genau doppelt so alt wie ich. Und auch, wenn der vernünftige Teil von mir wusste, dass diese Differenz zu groß ist, hat der Teil von mir, der sich seit Jahren nach echter dominanter Ausstrahlung und Dominanz gesehnt hat, sowas geschrien, wie „Oh mein Gott, JAAAAAAAAA“. Sein Profil klang vielversprechend und ich bin allein beim Lesen rot geworden. Er schrieb von einem klaren Machtgefälle, hatte klare Vorstellungen, wirkte sehr erfahren und gleichzeitig klang es, als würde er in sich ruhen und sich nicht von meinem Temperament aus dem Konzept bringen lassen.

Foto von Spices of Lust auf Unsplash

Ich konnte nicht anders und musste ihm antworten. Von dem Moment seiner Antwort war der andere Kontakt, mit dem ich mich eigentlich treffen wollte, vergessen. Allein seine Nachrichten haben so viel Erregung in mir ausgelöst, wie es keiner der bisherigen Typen bei einem persönlichen Treffen geschafft hat. Wir haben sehr intensiv und sehr viel geschrieben und ein paar Wochen später war klar, dass wir uns treffen wollen. Erst zwei Tage vorher haben wir zum ersten Mal telefoniert und obwohl seine Stimme nicht meiner Erwartung entsprochen hat und meine Erregung ein bisschen gedämpft hat, wusste der devote Teil in mir, dass ich ihn kennenlernen muss. Ich war hooked.

Auf dem Weg zu ihm war ich SEHR aufgeregt. Ich dachte schließlich, ich würde jetzt zum ersten Mal einen „richtigen“ Dom kennenlernen und hatte keine Ahnung, was auf mich zukam.

Obwohl ich endlich mit Menschen Kontakt hatte, die sich mit BDSM beschäftigen, hat mir immer noch etwas gefehlt. Die Männer haben zwar gesagt, sie seien dominant und sie waren gut darin, Befehle zu geben oder Praktiken aus Pornos nachzumachen, wirklich souverän, ausgeglichen und verantwortungsbewusst waren sie aber nicht – v.a. aktiver Konsens (nur „Ja“ heißt „Ja“) und Aftercare waren für keinen ein Thema.

Ich habe jemanden mit reguliertem Nervensystem gesucht, der aushalten konnte, dass ich eine eigene Meinung habe. Im Sommer 2018 habe ich online jemanden kennengelernt. Wir haben länger geschrieben, er wirkte nett (im besten Sinn) und wir waren dabei, ein Treffen zu vereinbaren, als mich auf der Plattform „Gentledom*“ eine Nachricht erreicht hat, bei der ich buchstäblich weiche Knie bekommen habe:

Er war 46, also zu dem Zeitpunkt genau doppelt so alt wie ich. Und auch, wenn der vernünftige Teil von mir wusste, dass diese Differenz zu groß ist, hat der Teil von mir, der sich seit Jahren nach echter dominanter Ausstrahlung und Dominanz gesehnt hat, sowas geschrien, wie „Oh mein Gott, JAAAAAAAAA“. Sein Profil klang vielversprechend und ich bin allein beim Lesen rot geworden. Er schrieb von einem klaren Machtgefälle, hatte klare Vorstellungen, wirkte sehr erfahren und gleichzeitig klang es, als würde er in sich ruhen und sich nicht von meinem Temperament aus dem Konzept bringen lassen.

Ich konnte nicht anders und musste ihm antworten. Von dem Moment seiner Antwort war der andere Kontakt, mit dem ich mich eigentlich treffen wollte, vergessen. Allein seine Nachrichten haben so viel Erregung in mir ausgelöst, wie es keiner der bisherigen Typen bei einem persönlichen Treffen geschafft hat.

Foto von Spices of Lust auf Unsplash

Wir haben sehr intensiv und sehr viel geschrieben und ein paar Wochen später war klar, dass wir uns treffen wollen. Erst zwei Tage vorher haben wir zum ersten Mal telefoniert und obwohl seine Stimme nicht meiner Erwartung entsprochen hat und meine Erregung ein bisschen gedämpft hat, wusste der devote Teil in mir, dass ich ihn kennenlernen muss. Ich war hooked.

Auf dem Weg zu ihm war ich SEHR aufgeregt. Ich dachte schließlich, ich würde jetzt zum ersten Mal einen „richtigen“ Dom kennenlernen und hatte keine Ahnung, was auf mich zukam.

Das 3. Learning: Sag IMMER jemandem, wo du hinfährst. Teil deinen Standort, schick jemandem ein Foto und die Adresse von der Person. Vereinbart einen Zeitpunkt, zu dem du anrufst oder angerufen wirst.

Foto von Tamas Tuzes-Katai auf Unsplash

Ich bin dafür kein gutes Vorbild, denn ich habe niemandem gesagt, wo ich war. Im Auto habe ich meinem besten Freund am Telefon zwar erzählt, wo ich hinfahre. Er hatte aber weder eine Adresse noch einen Namen und wir haben nur vereinbart, dass ich mich melde, wenn irgendwas ist (und im schlimmsten Fall ist man dazu nicht mehr in der Lage).

Obwohl das extrem dumm und naiv war, ist alles gut gegangen. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen (vielleicht mache ich das in einem späteren Beitrag separat), deshalb an dieser Stelle nur so viel:

Der Sex war nicht von dieser Welt und wir haben uns von da an regelmäßig getroffen. Erst jedes Wochenende, später seltener und unregelmäßiger. Abgesehen davon hatten wir täglich sehr intensiven Kontakt per Whatsapp und per Telefon. Wir waren schnell in einer DS-Beziehung und haben eine Art Fernbeziehung geführt.

Was meine BDSM-Reise angeht, war das eine extrem prägende Zeit, die Spuren hinterlassen hat:

Ich habe gelernt, was ich will, aber vor allem, was ich nicht will.

Ich habe gelernt, meine Grenzen zu vertreten und nicht jemand anderem zuliebe nachzugeben.

Ich habe gelernt, dass ich nicht für das Verhalten meines (Spiel-)Partners verantwortlich bin.

Heute suche ich keine besitzergreifenden Partner mehr, die von vornherein Dominanz und Sex ausstrahlen. Ich lege größeren Wert darauf, mich bei einem Partner emotional sicher zu fühlen und darauf, wie jemand auf ein „Nein“ reagiert.

Ich bin dafür kein gutes Vorbild, denn ich habe niemandem gesagt, wo ich war. Im Auto habe ich meinem besten Freund am Telefon zwar erzählt, wo ich hinfahre. Er hatte aber weder eine Adresse noch einen Namen und wir haben nur vereinbart, dass ich mich melde, wenn irgendwas ist (und im schlimmsten Fall ist man dazu nicht mehr in der Lage).

Obwohl das extrem dumm und naiv war, ist alles gut gegangen. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen (vielleicht mache ich das in einem späteren Beitrag separat), deshalb an dieser Stelle nur so viel: 

Der Sex war nicht von dieser Welt und wir haben uns von da an regelmäßig getroffen. Erst jedes Wochenende, später seltener und unregelmäßiger. Abgesehen davon hatten wir täglich sehr intensiven Kontakt per Whatsapp und per Telefon. Wir waren schnell in einer DS-Beziehung und haben eine Art Fernbeziehung geführt.

Was meine BDSM-Reise angeht, war das eine extrem prägende Zeit, die Spuren hinterlassen hat:

Ich habe gelernt, was ich will, aber vor allem, was ich nicht will.

Ich habe gelernt, meine Grenzen zu vertreten und nicht jemand anderem zuliebe nachzugeben.

Ich habe gelernt, dass ich nicht für das Verhalten meines (Spiel-)Partners verantwortlich bin.

Heute suche ich keine besitzergreifenden Partner mehr, die von vornherein Dominanz und Sex ausstrahlen. Ich lege größeren Wert darauf, mich bei einem Partner emotional sicher zu fühlen und darauf, wie jemand auf ein „Nein“ reagiert.

„Dominanz“ bedeutet nicht, dass die Stimme deines Partners mehr Gewicht hat als dein eigenes Bauchgefühl.

Foto von David Banjo auf Unsplash

(Wie passend, dass ich während ich das hier schreibe „Fuckboy Tragedy“ von Grace Gachot* höre.)

Nach einem langen Trennungsprozess, vielen Tränen und emotionalem Chaos habe ich BDSM (und Sex) erstmal abgeschworen.

In Teil 3 meiner BDSM-Reise erzähle ich dir, wie ich vorrübergehend zum Blümchensex zurückgekehrt und am Ende in einem Swingerclub gelandet bin. 

* unbezahlte Werbung wegen Nennung

(Wie passend, dass ich während ich das hier schreibe „Fuckboy Tragedy“ von Grace Gachot* höre.)

Nach einem langen Trennungsprozess, vielen Tränen und emotionalem Chaos habe ich BDSM (und Sex) erstmal abgeschworen.

In Teil 3 meiner BDSM-Reise erzähle ich dir, wie ich vorübergehend zum Blümchensex zurückgekehrt und schließlich in einem Swingerclub gelandet bin. 

* unbezahlte Werbung wegen Nennung

Und jetzt bin ich gespannt auf DEINE Geschichte: Wie hat sich deine Sexualität entwickelt? Wie bist du zu BDSM gekommen? Hängt die Entwicklung auch mit deiner Sexualität zusammen oder war es bei dir ganz anders? Erzähl es mir per DM auf Instagram (@kinkbetweenpages) oder per E-Mail an kontakt@kinkandconnect.de und zeig anderen Frauen, dass es kein „normal“ gibt, wenn es um Sexualität geht 🙂